08.06.2026
Andrej Platonow: DER STAATSBEWOHNER – Erzählungen

In ihrem Nachwort „EINE WIRKLICH FATALE ARBEIT“ schreibet Gabriele Keupold: „Die drei Geschichten des vorliegenden Bandes sind in einer krisenhaften Zeit – eine Umschreibung der Josef Stalin Jahre – in gewisser Weise waren sie Produkte dieser Zeit und wurden geopfert. Man liest sie heute als Beschreibung eines Kampfes: nicht nur als Ringen eines Schriftstellers um die Sprache und Benennung der Wirklichkeit, sondern als Versuch, seine literarische und persönliche Integrität zu verteidigen.“ Andrej Platonowitsch Platonow wurde am 28. August 1899 in Woronesch geboren, gestorben am 5. Januar 1951in Moskau. Heute ist das Woronesch nach der Volkszählung von 2010 eine Großstadt mit 889680 Einwohnern. Beim Start der sozialistischen Sowjetunion arbeitete Platonow als Ingenieur für Bewässerungstechnik. Bereits seit 1918 veröffentlichte er Lyrik, Erzählungen und schrieb Beiträge als Journalist. Seine zwei Romane „Tschewengur“ (1929) und die „Baugrube“ (1930) waren in der Sowjetunion verboten, erst in der Perestojka konnten die beiden Bücher erscheinen. Dabei war Platonow, wie zahlreiche seiner Kollegen auch, kein Gegner des Sozialismus. Gerade das befähigte ihn, so sein Kollege Andrej Bitow, die Entwicklung der Sowjetunion zu verstehen, die Vorgänge zwar von innen und nicht als Außenstehender oder Feind zu beschreiben. Heute wird häufig Andrej Platanow als Vertreter der russischen Moderne und mit Autoren wie Robert Musil, Franz Kafka oder James Joyce verglichen.

Die drei Geschichten von Andrej Platonow sind im Band „DER STAATSBEWOHNER“ in der Bundesrepublik Deutschland 2025 veröffentlicht worden. Geschrieben wurden die Beiträge „DER STAATSBEWOHNER“ der kürzeste 1927, gefolgt von „MAKAR, WIE ER ZWEIFELT“, geschrieben Ende 1928, die letzte Kurzgeschichte „ZU GUTE – Eine Armeleute-Chronik“ ist aus dem Frühjahr 1930 – Anfang 1931.

Für die drei Kurzgeschichten gab es keinen Beifall für Platanow, sondern großen Ärger mit dem Vorsitzenden der Kommunistischen Partei der Sowjetunion Josef Stalin. Besonders die Armeleute Chronik war es, über die sich Stalins besonders erregte. Anders als Wladimir Iljitsch Lenin, der sich nicht um Kunst und Literatur kümmerte, ist Stalin anders. Im Anhang des Buches unter Dokumente wird Stalins Brief zitiert, er schreibt „Zu Gute“: Zur Kenntnis an die Redaktion von Krasnja Now. Eine Erzählung eines Agenten unserer Feinde geschrieben zwecks Entlarvung der Kolchosbewegung und gedruckt von „kommunistischen“ Wirrköpfen, um ihre unübertroffene Blindheit zu demonstrieren. J Stalin. PS: Man sollte den Autor wie die Wirrköpfe so bestrafen, dass ihnen die Bestrafung „zu Gute“ gereicht.

Andrej Platanow, der kein Feind des Sozialismus war, wollte mit seinen Kurzgeschichten auf Fehlentwicklungen hinweisen. Nur das wurde vom Generalsekretär der KPdSU Josef Stalin nicht gesehen, Andrej Platonow wurde als „Volksfeind“ gebrandmarkt.

Drei lesenswerte Geschichten aus den Aufbaujahren der Sowjetunion.
khw


Andrej Platonow: DER STAATSBEWOHNER - Erzählungen
Aus dem Russischen feinfühlig übersetzt und mit Anmerkungen und einem
Nachwort von Gabriele Leupol

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
207 Seiten – 25,00 EUR