08.06.2026
Alfred Ehrhardt: FILM

Ein Band über das Leben von Alfred Ehrhardt, einem ausgebildeten Orgelmusiker, Chorleiter, Komponist, Maler, Musik- und Kunstpädagoge und dann Fotograf und Filmemacher berichtet. Somit erklärt sich, dass sein filmisches Werk auf der Grundlage von Musik, Malerei und der Fotografie beruht. Seine Filme gehen von dem Einzelbild mit einer ausgeprägten Lichtführung aus und eine sorgfältig durchdachte Verankerung im Bild entfaltet so die kompositorische Wirkung. Das Markenzeichen in den Filmen von Erhardt ist seine optische stark betonte Fotografie im Film.

Alfred Ehrhardt – am 5. März 1901 in Triptis geboren, in Hamburg am 29. Mai 1984 gestorben, besuchte das Realgymnasium in Gera, studierte am Lehrerseminar in Weißenfels Musik mit dem Fach Orgel. Er pflegte eine Vorliebe für die Werke von Johann Sebastian Bach. Als Lehrer für Kunsterziehung, Musik, Gymnastik und Leichtathletik am Landerziehungsheim Gandersheim des Reformpädagogen Max Bondy arbeitete er von 1924 bis 1930. Im Gymnastik-Unterricht konzentrierte er sich auf die künstlerischen Tänze von Rudolf von Laban und Mary Wigman. Beurlaubt vom Schuldienst studierte Erhardt 1928/29 am Bauhaus in Dessau. Nicht nur in einem Vorkurs von Josef Albers, auch in der Malklasse von Paul Klee und Lyonel Feininger sowie in der Bühnenwerkstadt von Oskar Schlemmer. Es entwickelte sich eine Freundschaft zu Wassily Kadinsky. Nach dem Bauhaus wurde er von Max Sauerland als Dozent für die Materialstudien an die Landeskunstschule in Hamburg berufen.

In erster Ehe heiratete er am 11. Juli 1931 seine Schülerin Mia Burchard aus der Bankiersfamilie Warburg. Der gemeinsame Sohn Klaus Ludwig wird am 26. Mai 1932 geboren. Im Jahr 1933 wird Hitler Reichskanzler, seine Partei die NSDAP übernimmt die Macht. Ehrhardt wird zusammen mit Kollegen als Dozent der Landeskunstschule wegen der Nähe zum Bauhaus als Kulturbolschewist entlassen. Auch seine Ehe scheitert, 1933 Trennung, die Scheidung 1934, seine Frau und Sohn können noch rechtzeitig vor der Reichspogromnacht 1938 nach Australien exilieren. Als Organist und Chorleiter in Cuxhaven, dazu Fotos vom Watt hier und der Kurischen Nehrung, Unterricht an der Volkshochschule Askov im dänischen Jütland ist für Ehrhardt ein Weiterarbeiten möglich. Das ändert sich 1937, als freier Regisseur, Autor und Kameramann beginnt er Dokumentarfilme über das Wattenmeer und Island, dann im staatlichen Auftrag über Flandern zu drehen. Im Jahr 1938 heiratet Alfred Ehrhardt erneut Liselotte Dannmeyer, der Sohn Jens wird 1942 geboren. In diesem Jahr wird bei einem Bombenangriff auf Hamburg das Haus zerstört. Sie nehmen das Angebot von Georg Hartmann an, in ein Haus im Spessart zu ziehen. Erst 1947 geht es wieder zurück nach Hamburg. Erhardt fotografiert noch vor der Zerstörung die Altstadt Frankfurts.

Im September 1948 gehört Alfred Ehrhardt zu den ersten Personen, die vom „Beratender Film-Ausschuss für die britische Zone“ eine Filmlizenz erhalten. Gleichzeitig legt er eine Liste von acht Themen vor, von denen fünf in den nächsten Jahren realisiert werden. „Ad Die Honorem“ über dem Brüggemann Altar im Dom zu Schleswig ist der erste Dokumentarfilm. Der Film wird am 26. August 1948 in Venedig auf der 9. Mostra Internazionale d' Arte Cinematografica uraufgeführt. Die Filmografie Alfred Ehrhardt umfasst 59 Filme und 4 unvollendete Filmprojekte.

Der Band spiegelt das künstlerische Leben von Alfred Ehrhardt wider.
khw


Alfred Ehrhardt: Film
Herausgeben von
Christiane Stahl und Stefanie Odenthal
für die Alfred Ehrhardt Stiftung Berlin 2026
Autor Thomas Tode

Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2026
288 Seiten – 40,00 EUR