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28.01.2026
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Gabriel Zuchtriegel: »Pompejis letzter Sommer«. Als die Götter die Welt verließen
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Pompeji war eine antike Stadt in Kampanien am Golf von Neapel, die wie Herculaneum, Stabiae und Oplontis beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. verschüttet wurde, unter der Vulkanasche aber weitgehend konserviert blieb. In der etwa sieben hundertjährigen Geschichte wurde Pompeji von Oskern, Samniten, Griechen, Etruskern und Römer bewohnt. Mit der Wiederentdeckung von Pompeji im 18. Jahrhundert begann die zweite Geschichte der Stadt. Pompeji wurde zu einem zentralen Ort der Archäologie verbunden mit der Erforschung der antiken Welt. Der Ort ist einer besten erhaltenen Ruinenstädte der Antike.
Der Autor Gabriel Zuchtriegel, am 24. Juni 1981 in Weingarten/Baden-Württemberg geboren, studierte von 2001 bis 2006 an der Humboldt-Universität zu Berlin klassische Archäologie und in Nebenfächern Ur- und Frühgeschichte dazu Altgriechisch. Promoviert wurde er an der Universität Bonn mit einer Dissertation über eisenzeitliche und archaische Funde aus der Grabung eines Heiligtums in Gabii (Latium). Er wurde gefördert mit einem Feodor Lynen-Forschungsstipendium, leitete er von 2012 bis 2015 die Ausgrabungen der griechischen Kolonie Siris und Herakleia in Lukanien, heute die Region Basilikata. Von 2014 bis 2015 lehrte er an der Universität von Potenza. Das italienische Kulturministerium berief Zuchtriegel 2015 zum Direktor des »Parco Archeologico di Paestum e Velia« und dem Museum. Der Vertrag wurde um vier weitere Jahre verlängert, lehrt seit 2019 als Dozent den Studiengang Archäologie und Kulturen des antiken Mittelmeerraums an der Universität Neapel Federico. Im Juli 2020 hat er zur deutschen auch die italienische Staatsbürgerschaft, wurde im Februar 2021 als Nachfolger von Massimo Osanna zum Direktor des Parks von Pompeji berufen, inzwischen bis zum Jahr 2029.
Im Vorwort schreibt der Autor: »Bei den Ausgrabungen holen wir Trümmer des scheinbar Unwichtigen, des Vergessens und Weggeworfenen aus dem Boden. Während die Geschichtsschreibung einer Epoche sozusagen ihre offizielle Biografie ist, gräbt die Archäologie gleichsam im Unbewussten. Sigmund Freud sah deshalb in Pompeji einen Spiegel der menschlichen Seele: „Es gibt“ schrieb er, „wirklich keine bessere Analogie für die Verdrängung, die etwas Seelisches zugleich unzugänglich macht und konserviert, die etwas Seelisches zugleich unzugänglich macht und konserviert, als die Verschüttung, wie sie Pompeji zum Schicksal geworden ist und aus der die Stadt durch die Arbeit des Spatens wieder entstehen konnte.“
In seinem Buch widmet sich der Autor den Ausgrabungen in dem durch den Vulkanausbruch im Jahr 79 n. Chr. verschütteten Pompeji, das von den Lavamassen regelrecht konserviert wurde. Dabei werden noch immer neue Entdeckungen gemacht. Auch war das Christentum hier eingezogen, daher zeichnet Zuchtriegel den Prozess der Entzauberung der alten römischen Gottheiten nach.
Jüngst stellte eine erst kürzlich freigelegte Bäckerei vor. Die Arbeitskräfte sind Sklaven und dazu angekettet. Schlaf- und Arbeitsraum waren derselbe Ort. Ein großes Problem ist es, alle freigelegten archäologischen Stätten vor den Witterungseinflüssen, Pflanzenwuchs und Pilzbefall zu schützen. Das 44 Hektar große Ausgrabungsgelände zu überdachen ist unmöglich. Deshalb, so der Autor, sollte nur noch das ausgegraben werden, wie es bewahrt werden kann.
khw
Gabriel Zuchtriegel: »Pompejis letzter Sommer«
Als die Götter die Welt verließen
Propyläen Verlag, Berlin 2025
316 - Seiten - geb. - Farbfotos - 33,00 EUR
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