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28.01.2026
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Lili Schnitzler Tagebücher: „Gefährlich Leben“ – Die Letzten Jahre 1926–28
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Lili Schnitzler am 13. September 1909 geboren, war die Tochter des berühmten Theaterautors Arthur Schnitzler. Sie ging aus der Ehe Schnitzlers zur Schauspielerin Olga Gussmann (1882 -1970) hervor. Ihr Bruder Heinrich Schnitzler war im Jahr 1902 geboren. Lilli Schnitzler galt als Jugendliche leicht psychisch gestört. In ihrem Tagebuch von 25. September 1922 ist auch von Selbstmordgedanken die Rede. 1927 traf sie In Venedig traf sie 1927 den 37 Jahre alten faschistischen Hauptmann der Miliz Arnoldo Capellini, den sie trotz Bedenken mit Zustimmung der Eltern heiratete.
Nach dem Ende der Sperrfrist liegen jetzt die Tagebücher der zwei letzten Lebensjahre Lili Schnitzlers der Jahre 1926 – 28 vor, die der Herausgeber Max Haberich editierte. Haberich wurde am 29. April 1984 Juni in Philadelphia, USA geboren, ist ein deutscher Autor, Satiriker und Literaturwissenschaftler. Er wuchs in München auf, studierte Geschichte, Kunstgeschichte, Neuere Deutsche Literatur in York, Aix-en-Provence und Tübingen. Er promovierte an der Universität Cambridge über die deutsch-jüdische Identität von Arthur Schnitzler und Jacob Wassermann. Seit 2014 lebt Haberich in Wien, wo er den Autorenkreis „Jung Wien '14“ ins Leben rief. Das Mitglied des österreichischen PEN hat in verschiedenen literarischen und wissenschaftlichen Fachzeitungen publiziert. Seine Biografie über Arthur Schnitzler: „Anatom des Fin de Siècle“ veröffentlichte der Wiener Verlag Kremayr & Scherlau. Den Kurzgeschichtenverlag „Brot und Spiele“ gründete Haberich in Wien 2023. Als siebten Titel veröffentlicht der Verlag die Tagebücher von Lili Schnitzler „Die letzten Jahre 1926 - 28“ unter „Gefährliches Leben“.
Im Vorwort schreibt Max Haberich: „Eine Stelle, die mich aufs tiefste erschüttert – wie alles sich erhellt, wenn sie mit dem Vater spricht … Warum war ich nicht da! – Warum hat sie nicht gesprochen. – Sehnsucht bis zum Wahnsinn.“ So schreibt Arthur Schnitzler am 15. August 1928 in sein Tagebuch, knapp drei Wochen nachdem seine Tochter Lili (13.9.1909 – 26.7.1928) sich mit achtzehn Jahren in Venedig erschoss. Nur über ein Jahr vorher, im Juni 1927, hatte sie den um zwanzig Jahre älteren Offizier aus Mussolinis faschistischer Miliz, Arnoldo Capellini (1889 – 1954), im Wiener Rathaus geheiratet.
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Vom Schwiegersohn erhält Schnitzler am 26. Juli 1928 ein Telegramm, in dem er in ihn bittet, sofort zu Lili zu kommen, die schwer erkrankt ist. Am nächsten Tag fliegt er mit seiner Frau sofort nach Venedig. Er wird von Capellini vom Flughafen abholt und erklärt, was vorgefallen ist. Am Vorabend hat sich Lili nach einem Streit in die Brust geschossen. Sie wird am Morgen des 26. Juli 1928 operiert, am Nachmittag verschlechtert sich ihr Zustand, da die Pistolenkugel verrostet ist, stirbt am Abend an einer Blutvergiftung. Die grausame Ironie, es ist die Waffe, die Capellini einem österreichischen Gebirgsjäger im Ersten Weltkrieg abgenommen hat. Die genauen Umstände ihres Todes durch den tragischen Unfall – ein Selbstmord ist es nicht gewesen, so Haberich – werden erst jetzt bekannt, da bis vor einigen Jahren jede Einsicht in das Lilis Tagebuch, das im Deutschen Literaturarchiv in Marbach aufbewahrt wird, gesperrt war. Auch das Jahr wo Lili Arnoldo das erste Mal gesehen hat, ist nicht 1927, sondern bereits im Oktober 1925.
Das Tagebuch ihrer letzten Jahre, so Max Haberich, ist ein Beitrag zum Andenken von Lili Schnitzlers.
khw
Lili Schnitzler Tagebücher „Gefährlich Leben“
Die letzten Jahre 1926 – 28
Herausgegeben von Max Haberich
Verlag Brot und Spiel, Wien 2025
300 Seiten - zahlreiche Fotos – 22,90 EUR
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