26.01.2026
MARIA LAZAR: GEDANKENSTRAHLEN – Erzählungen & Short Storys

Die erfolgreich wiederentdeckten Erzählungen und Short Storys der österreichisch-jüdischen Exilautorin Maria Lazar, ein Schatz der gehoben wurde. Es ist das der Verdienst des Wiener Verlegers Albert C. Eibel, der sich mit Ausdauer dem bei Lazars Enkeltochter in Nottingham / Großbritannien liegenden Nachlass gefunden hat, dieser ging 2023 mit der Schenkung an die österreichische Exilbibliothek im Literaturhaus Wien.

Das ist die Stadt, die sie bis zum Weggang 1933 als ihre geistige Heimat betrachtete. Ihre journalistische Karriere begann sie bei der linksliberalen Wiener Tageszeitung „Der Tag“. Vom Ende der 20er Jahre bis zum Austrofaschismus bot die Zeitung kulturpolitischen Stimmen die Möglichkeit der Veröffentlichung. Hier veröffentlichten Alfred Polgar, Robert Musil, Béla Balázs und Joseph Roth. Von Maria Lazar sind bis 1933 mehr als 100 veröffentlichte Feuilletons, Beiträge zur Tagespolitik und Kritiken dokumentiert.

Maria Lazar wurde 1895 als jüngstes Kind einer wohlhabenden jüdisch-assimilierten Wiener Familie geboren. Der Vater, ein hoher Beamter bei der österreichischen Eisenbahn, erlaubte es, dass Maria die berühmte Schwarzwaldschule am Franziskanerplatz im Wiener Ersten Bezirk besuchten konnte. Die reformpädagogische Schule von Eugenie Schwarzwald war auch Treffpunkt der damaligen Wiener Kulturszene darunter Elias Canetti, Hermann Broch und Egon Friedel. Oskar Kokoschka porträtierte Maria 1916 in seinem Bild »Dame mit Papagei«. 1923 heiratet Lazar den Journalisten Friedrich Strindberg, den Sohn Wedekinds und Frieda Uhls. Die Ehe hält nur wenige Jahre, verschafft ihr die schwedische Staatsbürgerschaft. Mit ihrer Tochter Judith geht sie 1933 ins Exil nach Dänemark. Auf der Insel Thurø finden sie gemeinsam mit Bertolt Brecht und Helene Weigel eine Unterkunft bei Karin Michaelis. Lazar und Weigel haben beide die Schwarzwaldschule besucht. Streit gab es zwischen Lazar und Brecht, Maria eine bekennende Sozialdemokratin, Bertolt der kämpferische Kommunist.

Während ihres Exils schreibt sie für skandinavische Zeitungen, auch für die dänischen Zeitungen »Berlingske Tidende« und dem »Social-Demokraten«. Sie übersetzt zahlreiche Romane aus dem Englischen, Dänischen und Schwedischen ins Deutsche schreibt den Großteil ihrer Arbeit für die Schublade. Trotz großer Bemühungen können ihre Romane auch nicht mehr in Österreich und Deutschland wie der Schweiz nicht mehr erscheinen, da seit 1930 die antisemitische Kulturpolitik den deutschsprachigen Raum infiltriert hat. Ab 1933 kam die Machtergreifung der Nazis in Deutschland hinzu. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs ist sie in Dänemark nicht mehr sicher, mit ihrer Tochter emigriert sie nach Schweden und geht nach Stockholm, prägt hier die Exilantenszene entscheidend mit. Nach einer erfolglos therapierten Krankheit (Morbus Cushing), auch erbittert darüber, dass sich mit ihrer literarischen Arbeit sich kein Erfolg einstellt, scheidet sie am 30. März 1948 in Stockholm durch Suizid aus dem Leben.

Es sind 31 Kurzgeschichten, die ab dem Ende der 1930er Jahre teilweise bereits erschienen in Zeitungen erschienen, die in der Band Gedankenstrahlen versammelt. Es eröffnet einen neuen Blick auf das außergewöhnliche und meisterhafte Können von Maria Lazar in dem lesenswerten Band „Gedankenstrahlen“.
khw


Maria Lazar: Gedankenstrahlen – Erzählungen & Short Storys
Ausgewählt aus dem Nachlass herausgeben mit einem Nachwort
von Albert C. Eibl

Verlag Das Vergessene Buch, Wien 2025
416 Seiten - 26,00 EUR