26.01.2026
Gregor Gysi: Mein Leben in 13 Büchern

Der Publizist und Autor zahlreicher Biografien und Gesprächsbücher – so mit Regine Hildebrandt, Friedrich Schorlemmer und Frank Castorf. Mit Gregor Gysi führte er ein Gesprächsband mit dem Titel: »Zwei Unbelehrbare reden über Deutschland und sich selbst«. Was Gysi für das Buch auswählte, sind nicht die Titel, die man unbedingt gelesen haben sollte. Bereits im Gespräch Schütt / Gysi merkt man, der Politiker liest wirklich. Es ist eine persönliche Leseliste mit Werken, die ihn geprägt haben. Das Buch ist auch eine literarische Erkundungstour, Gysi erläutert Gysi welche Bedeutung der ausgewählte Titel für sein Leben und Denken hatte.

Gregor Gysi, am 16. Januar 1948 in Berlin geboren ist Rechtsanwalt und Politiker. Politisch bekannt wurde er im Zuge der politischen Wende von 1989/1990 zum Vorsitzenden der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) gewählt, bleib auch nach Umbenennung der Partei in PDS (Partei des demokratischen Sozialismus) bis 1993 in dieser Funktion. Bei der Volkskammerwahl im Mai 1990 führte er die Fraktion in der Volkskammer der DDR bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. Er bleibt bis 1998 Vorsitzender der Bundestagsgruppe der PDS, ab 1988 bis 2000 ist er dann Vorsitzender der PDS-Bundestagsfraktion. Im Jahr 2002 ist er dann für fünf Monate in der „rot-roten“ Koalition zwischen SPD und PDS im von Klaus Wowereit angeführten Senat einer der Bürgermeister. Ab 2005 wieder Mitglied des Deutschen Bundestag, sofort Fraktionsvorsitzen der Linkspartei bis 2015, ab 2016 bis 2019 der Präsident der europäischen Linken. Außenpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke im Bundestag von 2020 bis 2023. Die konstituierende Sitzung des 21. Deutschen Bundestag eröffnete Gregor Gysi 2025 als Alterspräsident.

In seinem Gespräch mit Hans-Dieter Schütt geht es nicht darum, welche Rolle Lesen in der Politik spielt. Schlechte Erinnerungen hat er, was ihm in seinem Deutschunterricht an Literatur angeboten wurde. Das Gespräch zeigt auch wie man mit Büchern umgehen kann. Angetan von Heinrich Manns Roman „Der Untertan“ und seiner Verfilmung von der DEFA kam 1951 in die DDR-Kinos. In der BRD liefen in Kinos zu dieser Zeit Heimatfilme vom Alpenglühn bis zum Schäfer in der Heide. Erst 1957 gab es in der Bundesrepublik eine gekürzte Fassung, wurde ab 1971 in Westdeutschen Kinos gezeigt.

13 Bücher von Doris Lessing: „Das goldene Notizbuch“, Arthur Conan Doyle: „Hund von Baskerville“ bis Volker Braun: „Die Hellen Haufen“, nicht vergessen Karl Marx / Friedrich Engels: „Das Kommunistische Manifest“ – wurde von Gregor Gysi für das Buch ausgewählt und mit seinen Anmerkungen versehen. Dazu schreibt Gregor Gysi: „Die Berufung auf Marx und Engels nutzt inzwischen wenig, wenn man vom Kommunismus spricht – dieses Wort löst Missverständnisse aus: Man kann eben in der Politik sowie darüber hinaus einen Begriff nicht getrennt von dessen öffentlichen Wirkungen verwenden. Ich komme aus einem Elternhaus, in dem kommunistische Überzeugung keinen Gegensatz zu weltoffenen Denkweisen bildeten. Seit den Wendezeiten 1989/90 habe ich mich als demokratischen Sozialisten bezeichnet, und so empfinde ich mich auch heute noch.“
khw


Gregor Gysi: Mein Leben in 13 Büchern
Herausgegeben von Hans-Dieter Schütt

Aufbau Verlage, Berlin 2025
192 Seiten – gebunden – 20,00 EUR