25.01.2026
Ilija Trojanow: Das Buch der Macht
Wie man sie erringt und [nie] wieder loslässt

Der Autor Ilija Trojanow, trotz seiner Geburt am 23. August 1965 in Sofia /Bulgarien ist er ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer. Das hängt mit der Familiengeschichte zusammen. Seine bulgarische Familie floh 1971 über Jugoslawien und Italien in die Bundesrepublik Deutschland. Bereits ein Jahr später zog die Familie nach Kenia, hier hatte sein Vater eine Anstellung als Ingenieur erhalten. Unterbrochen von einem Deutschlandaufenthalt in den Jahren 1977 bis 1981, lebte Ilija Trojanow bis 1984 in Nairobi, wo er die Deutsche Schule besuchte. Danach folgte ein Aufenthalt in Paris, er studierte von 1985 bis 1989 in München Rechtswissenschaft und Ethnologie. Das Studium brach er ab, gründete den Kyrill-und Method-Verlag und 1992 den Marino-Verlag. Beide Verlage waren auf afrikanische Literatur spezialisiert. Trojanow zog 1999 nach Mumbai und beschäftigte sich mit Indien. Von 2003 bis 2007 lebte er in Kapstadt, wurde 2007 in Mainz Stadtschreiber, lebt heute in Wien.

Ilija Trojanow hat die 1897 erschienene politische Satire „Buch für das bulgarische Volk“ des Dichters, Juristen und Politikers Stojan Michailowski nicht ohne Grund dem Vergessen entrissen. In dem Gedicht unterweist ein greiser Wesir seinen Nachfolger in fünfzehn Tagen und Nächten die Strategie des Herrschens auseinander. So auch wie er mit Gewalt und Hilfe von Unterdrückung regieren muss. Dazu gehört es, keine freie Presse zuzulassen. In dem Gedicht von Michailowski wird die neuere Geschichte Bulgariens erzählt, das 20 Jahre zuvor mit Hilfe der Armee des russischen Zaren seine staatliche Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich errungen hat. Ilija Trojanow hat das Gedicht von Stojan Michailowski von 1897 in eine Prosa-Erzählung umgewandelt. Nun begleitet ein vielstimmiger Chor Michailowskis Zeilen von Hannah Arendt bis Simone Weil.

Ilija Trojanow schreibt am Schluss: „Eine zentrale Erkenntnis dieser Satire besteht darin, dass der Staat entgegen einer geläufigen Binsenweisheit nicht gelegentlich »unter die Räuber gerät« oder mal »in schlechte Hände fällt«, sondern dass Macht und Herrschaft unweigerlich Laster, Gewalt und Eigennutz fördern, und diese negativen Eigenschaften im Umkehrschluss die Mächtigen ermächtigen. Folglich kann es dort, wo Herrschaft dominiert, kein Recht als das Unrecht geben.“
khw


Ilija Trojanow: Das Buch der Macht
Wie man sie erringt und [nie] wieder loslässt

Die Andere Bibliothek – Aufbau Verlage, Berlin 2025
Exradruck No. 482
273 Seiten - gebunden – 26,00 EUR


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