31.03.2026
Hamburger Korrespondenz im April 2026


Am Anfang steht in der Freien und Hansestadt Hamburg die Gründung der Werft Blohm + Voss am 5. April 1877 am südlichen Ufer der Norderelbe auf der Insel Steinwerder, die Schiffswerft und Maschinenfabrik als eine offene Handelsgesellschaft. Dafür pachteten sie vom Senat der Hansestadt ein Areal von 15.000 Quadratmetern auf Elbinsel Kuhwerder – so die Schreibweise bis 1946 – seitdem Kuhwerder.

Die Hamburger Reeder gaben ihre Neubauaufträge vorzugsweise bis zur Gründung von Blohm + Voss an Werften in Großbritannien. Das änderte sich jetzt langsam. Das erste eiserne Schiff, die Flora, verkaufte die neue Werft an die Reederei Martin Garlieb Amsinck. Die wirtschaftliche Lage der ersten Jahre war mehr als zäh. Das änderte sich mit dem Bau eines Schwimmdocks, jetzt konnten auch Reparaturaufträge ausgeführt werden, dadurch verbesserte sich die wirtschaftliche Lage. Bereits 1887 legte die Werft dem Senat einen Antrag auf Ausweitung des Werftgeländes vor. Es erfolgte auch die Umwandlung der Firma in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien. Blohm & Voss beschäftigte zu diesem Zeitpunkt bereits 1200 Werftarbeiter. In Folge des Flottengesetzes des Reichstages lieferte die Werft auch ein großes Kriegsschiff an die kaiserliche Marine von Kaiser Wilhelm II. Der militärische Geschäftszweig warf nicht nur hohe Gewinne ab, er galt als krisensicher, da die Marine für Wilhelm II. für seinen Imperialismus aufrüstete. Am 28. März 1911 lief der Schlachtkreuzer „Goeben“ bei Blohm & Voss vom Stapel.

Im Weltkrieg I. wurde hier die Produktion auf der Werft auf den U-Boot-Bau umgestellt. Insgesamt 98 schwimmende Särge sind es hier. Da die Arbeiter durch Einberufung zum Militärdienst einberufen worden waren, ersetzten Frauen und Kriegsgefangene die fehlendenden Arbeiter. Der Krieg endete mit der Niederlage der Deutschen. Am 29. Oktober 1918 begann der Kieler Matrosenaufstand. Die Seekriegsleitung wollte zur letzten Seeschlacht gegen den weit überlegenen Feind auslaufen. Diesem selbstmörderischen Akt widersetzten sich die Matrosen. So riefen die kaiserlichen Marinesoldaten am Vorabend des 8. November 1918 die Revolution aus. Die Abdankung Wilhelm II. erfolgte am 9. November 1918 ohne seine Zustimmung durch den Reichskanzler Prinz Max von Baden. Direkt floh Wilhelm II. von seinem großen Hauptquartier im belgischen Spa in die Niederlande und bat hier um Exil. In Berlin wurde die Republik zweimal ausgerufen: Um 14 Uhr rief Philipp Scheidemann für die SPD die „deutsche Republik“ aus, Karl Liebknecht tat es für den Spartakusbund die „freie sozialistische Republik Deutschland“. Der Versuch des Arbeiter- und Soldatenrats am 11. November 1918 die Kontrolle über die Blohm & Voss Werft zu übernehmen, scheiterte. Nach dem Krieg durch einen günstigen Währungskurs für das Ausland gab es reichlich Aufträge. In den Folgejahren wurden nur noch wenige Schiffe für die Reedereien HAPAG und den Norddeutschen Lloyd gebaut. In diesen Jahren nannten die Werftarbeiter ihren Arbeitsplatz bei Blohm & Voss „Knochenmühle“.

Ernst Voss starb bereits 1920, Hermann Blohm 1930. Seine Söhne Rudolf und Walter Blohm führten bereits seit dem Ende des I. Weltkrieges die Werft. Beide begrüßten die Machtübernahme durch Hitlers NSDAP, da nun wieder durch die Aufrüstung der Wehrmacht die Werftaufträge zunahmen. Parallel dazu baute ab 1933 Walter Blohm zuerst in Wenzendorf, später auf der Elbinsel Finkenwerder, das Tochterunternehmen „Hamburger Flugzeugbau“ ein zweites Standbein auf.

Auf der Werft wurde 1933 das erste Segelschulschiff „Gorch Fock“, gebaut. Der schwere Kreuzer „Admiral Hipper“ (1936) und die „Wilhelm Gustloff“ (1937) für die NS-Organisation „Deutsche Arbeitsfront“ folgten. Im Zweiten Weltkrieg baut Blohm & Voss 224 U.-Boote für die Kriegsmarine. Ab Sommer 1944 wurden auf der Werft Häftlinge aus dem KZ Hamburg-Neuengamme eingesetzt. Dazu wurde auf der Werft ein Außenlager errichtet für Häftlinge aus Polen und der Sowjetunion. Im Februar 1945 waren es noch 16.339 Personen, die die Werft beschäftigte, größtenteils Zwangsarbeiter und Häftlinge aus dem KZ Hamburg-Neuengamme.

Trotz großer Zerstörung war die Werft noch immer arbeitsfähig. Blohm & Voss wurde am 31.12.1945 auf Anordnung der britischen Militärverwaltung geschlossen, 1946 wurden, wie auf der Potsdamer Konferenz beschlossen, die Werftanlagen als Reparationsleistungen demontiert. Auf dem Werftgelände gibt es keine Gedenkstätte für das KZ-Außenlager.



Rheinmetall Drohne vor Blohm + Voss im Hamburger Hafen

Im Jahr 1950 beschäftigte die Werft 48 Angestellte und 127 Arbeiter. Mit der Gründung der „Steinwerder Industrie“ 1951 gab es die Erlaubnis zur Reparatur von Schiffen, der Neubau von Küsten- und Seeschiffen erfolgte 1954, auch die Rückbenennung der Werft in Blohm & Voss AG. Es wurden 50 Prozent des Aktienkapitals für 20 Millionen DM an dem Thyssen-Konzern veräußert, damit zogen sich die Blohms langsam aus der Werft zurück. Für die HAPAG wurden die ersten Vollcontainerschiffe gebaut, auch Marineschiffe für die Bundeswehr.

Ab Mitte der 1970er Jahre nannte sich die Werft modern Blohm + Voss und war die Zentrale des ThyssenKrupp Marine Systems. Am 28. September 2016 kam die Übernahme von Blohm + Voss durch die Lürssen-Werftengruppe Bremen. Lürssen verkaufte 2025 ihre Werftengruppe, darunter auch Blohm + Voss, die Norderwerft in Hamburg, die Peene-Werft in Wolgast und die Jade-Werft in Wilhelmshaven an Rheinmetall. Es dauert einige Monate, bis die EU-Kommission entscheid, dass Rheinmetall die Bremer Wertengruppe Lürssen übernehmen konnte. In dem Beschluss der Wettbewerbshüter der EU heißt es: „Die Transaktion betrifft in erster Linie den Bau von Überwasserschiffen und damit verbundenen Dienstleistungen im Verteidigungssektor.“ Mit der Übernahme wollte sich Rheinmetall breiter aufstellen, für den Marine-Schiffsbau ein zusätzliches Geschäftsfeld erschließen. Der Konzern baut derzeit keine eigenen Schiffe, macht aber Geschäfte mit der Marine, mit Schiffsgeschützen und Lasermodulen.

In der ersten März-Woche gab es eine Vorführung der Objekte von Rheinmetall. Ihre Naval Division stellte Überwasserdrohnen der Kraken Technologie vor. Die unbemannten Drohnen – Kraken genannt – werden demnächst bei Blohm + Voss in Hamburg gebaut. Es sind acht Meter lange Boote, 90 km/h schnell, die ferngesteuert mit Sprengstoff auf ihr Ziel losfahren. Diese Boote sollen nun in 1000 Einheiten im Dreischichtbetrieb bei Blohm + Voss in Hamburg gebaut werden.

Es ist bedenklich, dass Blohm + Voss erneut ein Rüstungsbetrieb ist dazu noch in der Mitte von Hamburg.
khw