08.03.2021
Wolfgang Haug: Theodor Plievier – Anarchist ohne Adjektive – Der Schriftsteller der Freiheit
Eine Biografie

Der Autor Wolfgang Haug, 1955 in Stuttgart geboren, Studium in Tübingen und Oldenburg. Nach dem Examen in Tübingen in Germanistik, Anglistik und Geschichte Arbeit als Setzer, Autor, Lektor, Herausgeber und Verleger. Seit 2012 veröffentlicht Wolfgang Haug seine Bücher im Verlag Edition AV in Bodenburg bei Hildesheim in Niedersachsen.

Wolfgang Haugs Biografie über Theodor Plievier ist umfangreich, detailgetreu und versehen mit 1160 Hinweisen und Anmerkungen. Mit der Biografie von Harry Wilde »Theodor Pliever – Nullpunkt der Freiheit« gab es einen Vorgänger. Sein 1930 veröffentlichter Antikriegsroman »Des Kaisers Kulis« im Berliner Malik-Verlag wird Theodor Plievier als Schriftsteller landesweit bekannt. Noch vor Erscheinen des Romas veröffentlicht das Zentralorgan der KPD »Die Rote Fahne« einen Vorabdruck.

Der Autor wird am 17.Februar 1892 in Berlin-Wedding geboren, besuchte die Volksschule. Gerade 17 Jahre alt, veröffentlicht am 6. Februar 1909 die anarchistische Zeitschrift »Der Freie Arbeiter« seinen Beitrag »Proletariers Ende«. Eine Lehrstelle als Stuckateur gibt er bereits nach wenigen Wochen auf, verlässt darüber nach einem Streit mit seinen Eltern die Wohnung. Statt einen Beruf zu lernen wandert er durch das Kaiserreich, Österreich-Ungarn und die Niederlande. Wieder zurück wird er Matrose bei der Handelsflotte. In Südamerika mustert er 1910 ab, arbeitet als Goldsucher, Viehtreiber und in den Salpeterminen in Chile. Zurück kommt er 1914 nach Hamburg wo ihn die Polizei nach einer Schlägerei festnimmt. Da der Erste Weltkrieg ausgebrochen ist, wird Plievier zur Kaiserlichen Marine eingezogen. Seine Erlebnisse auf dem Hilfskreuzer »Wolf«, die schlechte Behandlung durch den Konteradmiral Kommandanten Karl August Nerger und seine Offiziere verarbeitet er zum autobiografischen Roman »Des Kaisers Kuli«. Schnell bekommt Plievier vom Feuilleton und der Literaturwissenschaft den Stempel von Dokumentarliteratur aufgedrückt. Bereits 1932 erhält er Drohbriefe, sein Name wird im »Völkischen Beobachter« genannt. Von den Nazis 1934 ausgebürgert, beginnt für Theodor Plievier eine Odyssee über Prag, Zürich, Paris und Oslo. Exil findet der kein Kommunist ist, in der Sowjetunion. Die Manuskripte muss Plievier in Deutschland zurücklassen. Da kein Kommunist gerät er 1936 in der UdSSR auch nicht in den Strudel der beginnenden Säuberung, lebt abseits von Moskau in der Republik der Wolgadeutschen. Einer der ihm in der Sowjetunion hilft ist der spätere Kulturminister der DDR Johannes R. Becher.

Zu den Gründungsmitgliedern des »Nationalkomitee Freies Deutschland« (NKFD) gehört Plievier 1943. Mit dem NKFD wollten die Sowjets die deutschen Kriegsgefangenen politisch umerziehen, sie auf die Nachkriegsordnung vorbereiten. Am 2. Februar 1943 ist die 6. Armee der Deutschen in Stalingrad vernichtet geschlagen, die Schlacht ist beendet. Damit war auch der Zweite Weltkrieg in Europa entschieden. Das ermöglichte Theodor Plievier die Feldpostbriefe der Deutschen zu lesen und Interviews mit den Gefangenen zu führen. Auf dieser Grundlage entsteht 1944 sein neuer Roman »Stalingrad«, zuerst in der Zeitschrift »Internationale Literatur« veröffentlicht später als Buch. Mit den Titeln »Stalingrad«, »Moskau« und »Berlin« entsteht später eine Trilogie.

Am 30. April 1945 kehrt er zusammen mit Ulbricht, Pieck und Becher aus Moskau nach Berlin zurück. Im Aufbau-Verlag Berlin erscheint bis 1946 »Stalingrad« in einer Auflage von 177.000 Exemplaren. Der Gustav Kiepenheuer Verlag in Weimar veröffentlich in diesem Jahr drei weitere Theodor Plievier Titel: »Eine deutsche Novelle«, »Haifische« und »Im letzten Winkel der Erde«. Diese Titel und »Des Kaisers Kulis« befinden als Erstausgaben in meiner Bibliothek.

Die Sowjetisch Besetzte Zone (SBZ) verlässt er 1947 in Richtung Westzonen, da ihm der Weg der SZB nicht in Richtung des Programms des NKFD entspricht. Bis 1953 bleibt er im dem »Deutschland des Kalten Krieges«, dann verlässt er es, zieht in die Schweiz nach Avegno im Tessin. Im Alter von 63 Jahren stirbt hier Theodor Plievier am12. März 1955.

Mit seiner Theodor Plievier Biografie hat Wolfgang Haug ein neues Standardwerk vorgelegt.
Lesenswert.
khw


Wolfgang Haug: Theodor Plievier
Anarchist ohne Adjektive - Der Schriftsteller der Freiheit
Eine Biographie

Verlag Editon AV, Bodenberg/Niedersachsen 2020
490 Seiten – zahlreiche sw-Fotos – 24,50 EUR