09.05.2019
RICHARD WRIGHT: SOHN DIESES LANDES

Der Roman von Richard Wright «Sohn dieses Landes», 1940 veröffentlicht, steht in der Tradition der US-amerikanischen sozialkritischen Romane der1920er und 1930er Jahre und ist ein hervorragendes Beispiel der Arbeit eines afro-amerikanischen Schriftstellers. Der Roman zeigt, wie ein Mensch durch eine Gesellschaft gehetzt wird, die von Hass und Vorurteilen geprägt ist. Die erste ungekürzte Ausgabe erschien erst 1993 in den Vereinigten Staaten von Nordamerika.

Auf einer Plantage in Mississippi, im Ort Roxie, wurde der Autor am 4. September 1908 geboren. Der Vater Nathaniel war hier Kleinpächter, die Mutter Ella arbeitet als Lehrerin. 1914 zog die Familie nach Memphis. Der Vater trennte sich von der Familie, die Mutter sorgt als Köchin für die Kleinfamilie. Während ihrer Krankheit lebte Richard in einem Waisenhaus. Später zog die Mutter mit ihren Söhnen zur Großmutter nach Jackson. Hier besuchte Richard zuerst die Schule der «Siebenten-Tag-Adventisten», später geht er auf eine staatliche Schule. Seine erste Erzählung veröffentlicht 1924 eine afroamerikanische Zeitung unter den «The Voodoo of the Hell´s Half Acre». Ab 1927 ist Wright in Chicago, arbeitet als Angestellter bei der Post. Es sind die Jahre in denen er besonders viel las, wird beeinflusst von den Texten des Schriftstellers Henry Louis Mencken und den Arbeiten des Romanciers Theodore Dreiser. In den Jahren der Weltwirtschaftskrise verliert er die Arbeit bei der Post und muss sich mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen. In dieser Zeit entstand über den John-Reed-Club - Autor des Buches über die Oktober-Revolution in Russland mit dem Titel «10 Tage, die die Welt erschütterten», Lenin schrieb das Vorwort – ein Kontakt zu KP der USA. In den Zeitungen der KP der USA werden seine Arbeiten häufig veröffentlicht. Ab 1938 wird Richard Wrigt in New York Herausgeber des «Daily Worker», dem Zentralorgan der Kommunistischen Partei der USA. In diesem Jahr erscheint eine Sammlung von Erzählungen über den Rassismus in den Südstaaten unter den Titel «Uncle Tom´s Children». Zwei Jahre später, 1940, dann der Roman «Sohn des Landes», der in einer verstümmelten Fassung veröffentlicht wird. Alle sexuellen Phantasien des Protagonisten Bigger Thomas im Bezug auf weiße Frauen sind gestrichen. Unter der Regie von Orson Welles kommt 1941 am Broadway eine Bühnenversion des Romas zur Aufführung. 1942 tritt Richard Wright aus der Kommunistischen Partei der USA aus. Der Autor wird 1946 nach Frankreich eingeladen und kehrt bis zu seinem Tod nicht mehr in die USA zurück.

Die Hauptfigur im Roman «Sohn des Landes» ist Bigger Thomas, ein Afroamerikaner aus den Slums von Chicago. Sein Leben bestreitet er mit Hilfe seiner Instinkte: er lebt in ständiger Angst, misstraut allen. Arbeit findet er als Chauffeur bei der Familie Dalton die ihm auf patriarchalischer freundlich zugewandt ist. Zur Eskalation kommt es, als er Mary die exaltierte Tochter des Hauses beim abendlichen Ausgehen begleiten muss. Am Ende der Tour muss er die betrunkene Mary auf ihr Zimmer bringen. Die blinde Mutter von Geräuschen geweckt, kommt ins Zimmer der Tochter. Aus Furcht, dass diese Situation missverstanden wird, versucht er Mary zum Schweigen zu bringen, erstickt sie dabei aus Versehen. Als Biggers Freundin Bessie davon erfährt, versucht sie ihn davon überzeugen, sich zu stellen. Auch Bessie tötet er gleichfalls.

Es kommt zu einer Verfolgungsjagd über die Dächer von Chicago. Doch Bigger Thomas wird verhaftet, entkommt der Lynchjustiz. Er wird vom Richter Buckley, der auf seine Wiederwahl hofft, zum Tode verurteilt. Die auf allen Seiten erstarrten Grenzen von Hass vermag allein der Anwalt von Bigger, der Kommunist Max lösen. Beim Angeklagten kommt die Erkenntnis der eigenen Schuld. Das ist eine Voraussetzung der Anonymität zu entkommen.

Im Humanitas Verlag in Zürich erscheint 1941 der Roman übersetzt von Klaus Lambrecht. Diese Übersetzung wird auch vom Verlag Diana Zürich 1969 und 1970 und den Lizenzausgaben des DDR-Verlags «Volk und Welt» 1969 und 1970 «Verlag Neues Leben» genutzt. Auch die Neuausgabe von 2019 im Verlag Kein & Aber AG Zürich – Berlin benutzt eine überarbeitete Übersetzung von Klaus Lambrecht.

Richard Wright stirbt in Paris am 28. November 1960 an einem Herzinfarkt und wird auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise beigesetzt.
khw


RICHARD WRIGHT: SOHN DIESES LANDES
Aus dem Amerikanischen von Klaus Lambrecht
Ergänzt und überarbeitet von Yamin von Rauch

Verlag Kein & Aber – Zürich-Berlin 2019
376 Seiten – 24,00 EUR