05.08.2020
Ex-König Juan Carlos I. auf der Flucht vor der spanischen Justiz


Ob er wirklich die entscheidende Rolle beim Übergang von der Diktatur zur parlamentarischen Monarchie - »transición« genannt – spielte, müssen Historiker erkunden. Ebenso verhält es sich beim Putsch am 23. Februar 1981 als Angehörige, die der Franco-Jahre nachtrauerten, unter General Jaime Milans del Bosch und dem Oberstleutnant Antonio Tejero von der paramilitärischen Polizei Guardia Civil der eingeschworenen Paramilitärs um 18 Uhr 23 das Parlament stürmten. General de Bosch liess in Valencia Panzer auffahren. Es dauerte bis zum 24. Februar 1 Uhr 14 nachts bis sich Juan Carlos in der Unform des Oberbefehlshabers den Putschversuch verurteilte, so die Demokratie rettete. Auch hier wird sicherlich noch einiges zu überprüfen sein.

Die erste Krise für Juan Carlos I. kam 2008. Im Jahr der Weltfinanzkriese waren in Spanien Hundertausende arbeitslos.

Anders der König, der mit seiner Freundin der Prinzessin Corinna auf Kosten eines saudischen Mäzens nach Botswana zur Elefantenjagd gereist war. Die königliche Safari wäre geheim geblieben, hätte sich der König bei einem nächtlichen Sturz in der Lodge nicht die Hüfte gebrochen. Mit einem Privatjet wurde er mit Freundin zur Notoperation nach Madrid geflogen. Das wurde nun auch der Journaille bekannt, die berichte vom königlichen Malheur. Freundin Corinna hat in Nahe der königlichen Residenz auf Staatskosten eine Bleibe. Der spanische Geheimdienst »Centro Nacional de Inteligencia« (CNI) der auch die Freundin Corinna abschirmte, hatte für die Prinzessin den Namen »Ingrid«.

Auch änderte sich das Verhältnis Anfang 2006 nicht, als der erste Verdacht der Korruption gegen den Schwiegersohn Iñaki Urdangarin, verheiratet mit der Tochter des Königs, der Infantin Cristina de Borbón, bekannt wurde. Als Präsident der vorgeblich gemeinnützigen Stiftung Nóos unterschlug er Steuergelder. Am 12 Juni 2018 bestätigte das oberste spanische Gericht das Urteil. Wegen Veruntreuung von sechs Millionen Euro Steuergeldern erhielt er eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren und zehn Monate.

Unter dem Finanzskandal von Tochter und Schwiegersohn und der Luxussafari mitten in der Rezession waren Anfang 2014 62 % der Spanier für seine Abdankung. Auch die Unterstützung war auf einmal unter 50 %. König Juan Carlos I. dankte ab, seit dem 19. Juni 2014 ist Felipe VI. der spanische König.

Es heißt, mit seinem freiwilligen Exil will Juan Carlos I. die Monarchie vor weiterem Schaden bewahren. Nur seine Flucht erschwert die Arbeit der Justiz, die sein dubioses Millionenvermögen untersucht. Der Ruf der spanischen Monarchie war jedoch bereits seit Jahren ramponiert. Seit Anfang Juli verging kein einziger Tag, an dem die spanische Presse Juan Carlos I. nicht mit neuen Vorwürfen der Bestechlichkeit und der Steuerhinterziehung konfrontierte. König Felipe VI., der Vater hat die Entscheidung getroffen, Spanien zu verlassen. Indem Brief vom Vater an den Sohn heißt es: »Mein Vermächtnis und meine persönliche Würde machen diese Entscheidung unumgänglich.« Diese knappen Zeilen veröffentlicht das Königshaus.

Es waren die Ermittlungen der Genfer Staatsanwaltschaft über mutmaßliche Geldwäsche auf Konten in der Schweiz, als deren Begünstigter Juan Carlos I. steht. Das brachte das Ausmaß seiner dubiosen Aktivitäten ans Tageslicht. Juan Carlos soll für die Vermittlung von Aufträgen oder die Pflege der guten Beziehungen mit den Golfstaaten nicht nur Millionenbeträge aus Saudi-Arabien, auch aus dem Königreich Bahrain und aus Kuwait erhalten haben. Dem Ex-König hat nach seinem Rücktritt der inzwischen verstorbene Herrscher des Oman, der Sultan Sutan Kabus Bin Said al-Said ein Luxus-Penthouse in London im Wert von 62,7 Millionen Euro geschenkt.
Die spanische Monarchie muss sich dennoch auf schwierige Zeiten gefasst machen. Das Lager der Antiroyalisten wird jeden Tag grösser. Waren es bisher nur die katalanischen Republikaner oder die Nationalisten im Baskenland, die die Monarchie offen kritisierten und für ihre Abschaffung plädierten, fordert mittlerweile auch die spanische Linke, IU und Podemos, der Koalitionspartner der sozialistischen Regierung von Pedro Sánchez, eine Debatte über das Existenzrecht des kostspieligen Königshauses in Spanien.

Inzwischen hat das Rettungskartell der Monarchie, dabei auch die Partido Socialista Obrero Español (PSOE), mit ihrer Arbeit begonnen. Der Hörfunksender Cadena SER, gehört zur PRISA-Gruppe, auch der Herausgeber der Tageszeitung »El País«, unterstütz die Monarchie, indem nur Befürworter der Monarchie One Air Wort kommen. Auch hat Juan Carlos I. bereits am 1. August Spanien in Richtung Dominikanische Republik in der Karibik verlassen. Ein Land das tropische Wirbelstürme erreicht. Die Regierung der Dominikanischen Republik bestätigt, dass der König nicht eingereist ist.

In den spanischen Zeitungen schreiben die Abreise des Königs war ein undurchsichtiges Manöver. Die Verschleierung der Flucht hat zu einem Zerwürfnis in der Regierung zischen Pedro Sánchez von der PSOE und Pablo Iglesias von Unidas Podemos geführt, Ausgang offen. Noch ist die Zukunft für Juan Carlos und Felipe VI. noch nicht geschrieben, hat den Anschein, das die Erosion der Monarchie damit beginnt. Der baskische Abgeordnete Añaki Anasagasti von Eusko Alderdi Jeltzalea (EAJ/PNV) in der Internetzeitung »Las Repúblicas« erklärte: »…dass das spanische Justizsystem rechtsgerichtet und monarchistisch ist, hätte nichts gegen den flüchtenden König unternommen.« Was sicherlich kommen wird ist die Verbannung von Juan Carlos de Borbón.
khw

Juan Carlos auf Elefantenjagd


Demo gegen Felipe VI.


Juan Carlos I. und Freundin Corinna in Rosa